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Stand: 26.10.2018

Pressemitteilung

„Die wichtigen Jahre 0-3“ - Seit zehn Jahren ein bayernweites Pilotprojekt

von links: Gerhard Krinninger, Caritasdirektor Michael Endres, Gisela Hausmann, Gerhard KrennerVor zehn Jahren war es ein Pilotprojekt. Heute sind „Die wichtigen Jahre 0-3“ aus der Arbeit des Frühförderungsdienstes der Caritas nicht mehr wegzudenken.Caritas

Vor zehn Jahren war es ein Pilotprojekt. Heute sind "Die wichtigen Jahre 0-3" aus der Arbeit des Frühförderungsdienstes der Caritas nicht mehr wegzudenken. Bayernweit ist dieses niederschwellige und präventiv ausgerichtete Angebot für junge Familien mit Kindern nach der Geburt bis zum Alter von 3 Jahren mit seiner Kombination nach wie vor beispielgebend. Start war im April 2008. So konnte Diözesan-Caritasdirektor Michael Endres am Dienstag, 10. April, äußerst positiv Bilanz ziehen und nach vorne blicken. "Hilfen sind umso effektiver und erfolgreicher, je früher sie einsetzen", betonte Michael Endres. "Es sei heute festzustellen, dass die Leistungsanforderungen an die Kinder steigen. Die Eltern seien hohen Anforderungen ausgesetzt." Michael Endres sprach die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an und gleichzeitig die Entscheidung für ein Kind. Umso wichtiger sei es, möglichst früh Probleme zu erkennen und zu behandeln. In diesem Beratungsangebot würden Eltern kompetente Ansprechpartner finden. Michael Endres würdigte den Einsatz der Eltern. Es sei für die Familie "Arbeit", die Beratungen anzunehmen und mitzumachen.

Mit ihrem Dienst, so der Caritasvorstand, sei die Caritas auch ein Frühwarnsystem und nehme für die öffentliche Hand mit Blick auf die gesetzliche Verpflichtung der Eltern, Gefahren für Leib, Leben oder Freiheit von ihren Kindern fernzuhalten, Garantenpflicht wahr. Der Caritasdirektor unterstrich die bewährte Zusammenarbeit des Caritasverbandes für die Diözese Passau e.V., des Landkreises und der Stadt Passau für Familien.

Angebote rund um Kinder in diesem Alter etwa von der Schwangerschaftsberatung, über Entbindungsstationen, Kinderklinik/SPZ, Kinderärzte, Gesundheits- und Jugendämter sind vernetzt. Zu diesen Kooperationen kommen Fortbildungsangebote und Vorträge. Damit ist ein Kompetenzzentrum für frühkindliche Entwicklung entstanden; in der Koppelung der aufeinander abgestimmten psychologischen, therapeutischen, sozialen und pädagogischen Maßnahmen bayernweit beispielhaft.

Gerhard Krinninger, der als Leiter des Frühförderungsdienstes beim Projekt Pionierarbeit geleistet hat, unterstrich: "Eltern sollen in der Beratung erleben können, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen werden und individuelle Hilfestellung erfahren". Dies in einem engmaschigen Netz. In den vergangenen zehn Jahren nahmen insgesamt 1.072 Kinder und Familien rund 3.500 Beratungstermine wahr. 70 Prozent der Beratungen finden aber zuhause statt, um die Probleme im familiären Umfeld zu bearbeiten.

Josef Krenner, Diplompsychologe mit Schwerpunkt Entwicklungsdiagnostik und Beratung, appellierte an die Eltern, frühzeitig Hilfe zu suchen, wenn Säuglinge schreien und nicht einschlafen können. Diese große Belastung für die Eltern und das gesamte Familienleben sei zu lösen, "der Teufelskreis kann in einen Engelskreis verwandelt werden". Er belegte es mit dem Beispiel einer 22jährigen alleinerziehenden Mutter, die ihre fünf Monate alte Tochter nach drei Beratungsterminen ruhig zum Einschlafen bringen konnte, während sie vorher so sehr daran litt, dass ihr Baby keinen Schlaf fand und schrie.

Gisela Hausmann kommt mit altersgerechtem Spielzeug in die FamilienGisela Hausmann kommt mit altersgerechtem Spielzeug in die FamilienCaritas

Für die Erzieherin Gisela Hausmann ist entscheidend, "die Eltern positiv zu bestärken". Sie sollen lernen, ihre Elternrolle anzunehmen und zu verstehen. Aber auch ganz konkret, sich den Kindern positiv zuzuwenden. Deshalb kommt sie mit altersgerechten Spielzeug in die Familien, übt problematische Situationen, zeichnet sie mit Video auf und bespricht mit den Eltern Lösungen.

Nach Worten von Gerhard Krinninger steht "eine gelingende Elternschaft und Beziehung im Vordergrund". Er erlebt die Arbeit auch als Seismograph. Denn Ursachen können auch im Umfeld des Kindes liegen, insbesondere bei Vernachlässigung, psychischer Erkrankung, Sucht und Armut von betreuenden Personen. Immer mehr familiäre Belastungen werden deutlich. Stichwort Kinderarmut. Für die Zukunft sieht er zwei große Themenbereiche für die Beratungsangebote. Zum einen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum anderen die soziale Teilhabe. Denn Armut wirkt sich nun einmal auf die Sprachentwicklung und auf das Bildungsniveau aus und damit auf die Chancengleichheit in der Gesellschaft.

Josef Krenner, Dipl.-Psych. Schwerpunkt Entwicklungsdiagnostik und Beratung

Josef Krenner, Dipl.-Psychologe, Schwerpunkt Entwicklungsdiagnostik und Beratung:
Eine wesentliche Aufgabe des Beratungsangebots "Die wichtigen Jahre 0-3" ist die Beratung von Eltern sogenannter "regulationsgestörter" Kinder. Das sind Säuglinge und Kleinkinder, die viel und anhaltend schreien, schlecht schlafen, die Fütter- oder Essprobleme haben oder stark anklammern, nicht spielen können oder als Zwei- und Dreijährige heftig trotzen und dagegenhandeln. Nicht selten sind sich Eltern und Krippenerzieherinnen unsicher, ob ein Kind altersentsprechend entwickelt ist oder sich altersgemäß verhält. Häufig sind ein bis vier Termine ausreichend, um eine erhoffte Besserung beim Kind zu erzielen oder ein Anliegen zu klären.

Gisela Hausmann, Erzieherin und entwicklungspsychologische Beraterin

Gisela Hausmann, Erzieherin und entwicklungspsychologische Beraterin:
Mütter und Väter melden sich entweder von sich aus oder erhalten die Empfehlung von Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi), Krippenerzieherinnen, Kinderärzten, Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen usw. Durch die Entwicklungspsychologische Beratung können Mütter und Väter unterstützt werden, kindliche Signale besser wahrzunehmen, "richtig" zu interpretieren und feinfühlig darauf zu reagieren. Im Vordergrund der Beratung stehen meist ganz alltägliche Betreuungssituationen, z. B. das Einschlafen, Wickeln, Füttern und Spielen. Die gemeinsame Besprechung von Videoaufzeichnungen hilft besorgten und belasteten Eltern dabei, mehr Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind entwickeln und eine gute Beziehung aufbauen zu können. Zudem zeigen wir Eltern in praktisch-anschaulicher Weise, wie sie ihr Kind im Alltag spielerisch fördern können.

Gerhard Krinninger, Dipl.-Psychologe, Leiter des Caritas-Frühförderungsdienstes

Gerhard Krinninger, Dipl.-Psychologe, Leiter des Frühförderungsdienstes:
Säuglinge und Kleinkinder benötigen für eine gesunde Entwicklung verlässliche, liebevolle und förderliche Beziehungen zu Erwachsenen. Entwicklungsrisiken können zum einen durch Ursachen entstehen, die im Kind selbst begründet sind, wie z. B. bei Schreibabys. Zum anderen können Ursachen auch im Umfeld des Kindes liegen, insbesondere bei Vernachlässigung, psychischer Erkrankung, Sucht und Armut von betreuenden Personen. In der frühen Förderung und Stärkung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von Eltern sehen wir eine wirksame Präventionsmaßnahme, um Entwicklungsrisiken für Säuglinge und Kleinkinder verringern zu können. Erprobte Konzepte aus der Säuglings- und Bindungsforschung bilden die fachliche Basis für unser Beratungsangebot. Eltern sollen in der Beratung erleben können, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen werden und individuelle Hilfestellung erfahren.