URL: www.caritas-passau.de/aktuelles/presse/fuer-integration-braucht-es-auch-wohnraum-0c3d4306-e51c-4a76-8669-b4ceca867ca5
Stand: 26.10.2018

Pressemitteilung

Für Integration braucht es auch Wohnraum

Schritt für Schritt zu eigenen Wohnung. Houssam (li.) und Mofaq zeigen mit Martina Koch den Weg auf.Schritt für Schritt zu eigenen Wohnung. Houssam (li.) und Mofaq zeigen mit Martina Koch den Weg auf.Caritas

Um Integration zu ermöglichen, ist es unabdingbar, im privaten Wohnraum Rückzugs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu erhalten. Daher braucht es Vermieter, die sich bereit erklären, anerkannten Flüchtlingen Wohnungen anzubieten. Ein Anlaufpunkt ist dafür ist die Wohnraumbörse (www.landkreis-passau.de/wohnraumboerse) des Landratsamtes Passau. Martin Koch erläutert, wie sich die Menschen mit Fluchthintergrund vorbereiten und wer in eine Wohnung ziehen kann.

Was genau ist die Mieterqualifizierung?
Die Mieterqualifizierung ist eine Schulung für Menschen mit Fluchthintergrund, die in eine private Wohnung ausziehen dürfen. An drei Abenden vermitteln die ehrenamtlichen Wohnungspaten gemeinsam mit der Integrationslotsin, welche Rechte und Pflichten sich aus einem Mietverhältnis in Deutschland ergeben. Je nach Sprachniveau der Teilnehmer findet die Schulung auf Deutsch oder Englisch oder mithilfe der ehrenamtlichen Wohnungspaten in der Muttersprache der Teilnehmenden statt.
Die anerkannten Flüchtlinge hoffen, nach der Mieterqualifizierung den Vermieter überzeugen zu können, dass sie bemüht sind, ein gutes Mietverhältnis zu haben und ihre Pflichten als Mieter wahrzunehmen. Insbesondere eine Aufklärung zu den Themen Mülltrennung, Lüften und Heizen, Ruhezeiten soll Konflikte mit dem Vermieter und den Nachbarn vermeiden.

Wer darf aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen?
Personen, die als Flüchtlinge in Deutschland anerkannt wurden oder subsidiären Schutz erhalten haben, dürfen aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen in eine privat angemietete Wohnung. Es ist aber nicht leicht, eine Wohnung zu finden. Der Wohnungsmarkt ist im Moment insgesamt sehr angespannt und darüber hinaus gibt es vielfältige Vorbehalte gegenüber anerkannten Flüchtlingen. Daher dauert es oftmals viele Monate bis hin zu Jahren, bis sie endlich eine eigene Wohnung gefunden haben.
Warum ist ein Auszug wichtig für die Integration in Deutschland?
Solange die anerkannten Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen, sind sie gezwungen, auf engstem Raum zusammenzuleben. Der einzige Rückzugraum für eine Familie mit Kindern ist häufig ein Zimmer, das sie sich als Familie teilen müssen. Weitere private Rückzugsräume gibt es nicht und häufig nicht einmal genug Platz, um einen Schreibtisch aufzustellen, an dem die Kinder ungestört Hausaufgaben machen können. Dies erschwert und verhindert das Ankommen in Deutschland.

Gibt es große kulturelle Unterschiede in Bezug auf das Thema Wohnen?
Mülltrennung zum Beispiel ist in den meisten Herkunftsländern vollkommen unbekannt und auch in den Gemeinschaftsunterkünften gibt es häufig nur eine schwarze Restmülltonne. Mit dem Auszug in die eigene Wohnung sind anerkannte Flüchtlinge daher meist zum ersten Mal mit dem Thema Mülltrennung konfrontiert. In der Mieterqualifizierung wird immer wieder deutlich, dass es alles andere als selbsterklärend ist, wie unser diffiziles Mülltrennungssystem funktioniert. Es muss nicht nur verstanden werden, nach welchen Regeln die Mülltrennung funktioniert, sondern auch, welchen Stellenwert diese für uns hat: Ein Nicht-Beachten der Mülltrennung ist keine individuelle, persönliche Entscheidung, sondern kann mit weitreichende Konsequenzen verbunden sein: Leicht verärgert man Nachbarn, Müllentsorger und den Vermieter und beeinflusst somit das Mietverhältnis nachhaltig negativ.

Wie kann man helfen?
Um eine Integration zu ermöglichen, ist es unabdingbar, im privaten Wohnraum Rückzugs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu erhalten. Daher brauchen wir Vermieter, die sich bereit erklären, an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten. Ein guter Anlaufpunkt ist hierbei die Wohnraumbörse (www.landkreis-passau.de/wohnraumboerse) des Landratsamtes Passau. Vermieter, die an anerkannte Flüchtlinge vermieten möchten, können hier Wohnungen melden. Vermieter sollten sich auch überlegen, ob potentielle Mieter erst die Mieterqualifizierung besucht haben sollten, bevor sie den Mietvertrag unterschreiben können. Somit ist sichergestellt, dass Basisinformationen bei den Mietern vorhanden sind und diese auch ihre Verantwortung und Pflichten als Mieter kennen.
Hilfe ist übrigens ein gutes Stichwort: In meinen Augen ist es ganz wichtig, Selbstverantwortung einzufordern. Es gibt inzwischen vielfältige Verständnishilfen in den Muttersprachen der Geflüchteten (z.B. übersetzte Formulare oder Youtube-Erklärungen, deutsche Nachrichten auf Arabisch). Diese eigenen Möglichkeiten sollten zuerst ausgeschöpft werden. Dabei lernen die Neuangekommenen am meisten und bleiben selbst handlungsfähig.

Information und Kontakt:
Martina Koch, als hauptamtliche und Ehrenamtskoordinatorin unterstützt gemeinsam mit Beate Heindl (ebenfalls Caritasverband für die Diözese Passau e.V.) und Katharina Beck (Diakonisches Werk Passau e.V.) Engagierte im Bereich Integration und Asyl im Landkreis Passau. Außerdem haben sie das Team der ehrenamtlichen Wohnungspaten aufgebaut, das mit ihnen gemeinsam die Mieterqualifizierung für anerkannte Flüchtlinge durchführt.
Die Arbeit der drei hauptamtlichen Integrationslotsinnen im Landkreis Passau wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium des Innern und für Integration, den Landkreis Passau sowie das Diakonische Werk und den Caritasverband für die Diözese Passau e.V.
Kontakt: Integrationslotsin Martina Koch (Gemeindecaritas, martina.koch@caritas-passau.de, 0851/5018-934);
Wohnraumbörse: www.landkreis-passau.de/wohnraumboerse.