URL: www.caritas-passau.de/aktuelles/presse/sozialpolitisches-forum-zur-landtagswahl-bafa27f0-36e7-4ba3-89fc-f9a9d1d2c729
Stand: 26.10.2018

Pressemitteilung

Sozialpolitisches Forum zur Landtagswahl

Kinderarmut nimmt zu. Diese Erfahrung machen Caritas und Diakonie auch für die Stadt und den Landkreis Passau. Deshalb richten sie vor den Landtagswahlen beim "Sozialpolitischen Forum" den Blick auf die Armutsgefährdung junger Menschen. 
Allein in der Stadt Passau waren im Mai fast 3000 Personen in sogenannten Bedarfsgemeinschaften auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen; 912 davon sind unter 18 Jahren alt. Junge Menschen in Alleinverdiener-Familien, als Kind allein erziehender Mütter, in kinderreichen Familien oder als Kind geringqualifizierter Eltern leben zum Teil am Existenzminimum. Ihre Zukunftschancen sind deutlich schlechter. Deshalb fragen Caritas und Diakonie, wie die Kandidaten drohender und bestehender Armut von Kindern entgegenwirken wollen. 

Die öffentliche und kostenlose Veranstaltung mit Landtagskandidaten am Dienstag, 17. Juli, im Eulenspiegel-Festzelt, Passau beginnt um 19.00 Uhr. Bereits ab 16.00 Uhr bietet der Kinderschutzbund ein Kinder- und Familienprogramm. Bei der Diskussion, moderiert vom stellvertretenden Chefredakteur der Passauer Neuen Presse, Alexander Kain, berichten vor den Landtagskandidaten eine alleinerziehende Frau und vom Sozialdienst der Kinderklinik Dritter Orden Passau, Reinhilde Bauer, von ihren Erfahrungen. Musikalisch begleitet den Abend die Band "Team Rocking" aus dem Caritas-Förderzentrum St. Ulrich für Kinder und Jugendliche in Pocking.

Zum brisanten Thema Kinderarmut diskutieren:
Dr. Gerhard Waschler (CSU), Christian Flisek (SPD), Matthias Weigl (Bündnis90/Die Grünen), Urban Mangold (ÖDP), Alexander Muthmann (FDP), Manfred Eibl (Freie Wähler) und Josef Ilsanker (Die Linke).

Stimmen aus Beratungsdiensten zu Kinderarmut:

Kinderarmut - allein erziehende Mutter mit Kindclipdealer

Armut ist schambesetzt
Kinderarmut ist bei uns sehr aktuell und oft akut; besonders bei den alleinerziehenden Eltern, wenn die Arbeitstätigkeit nicht ausreichend entlohnt wird. Viele wollen Hartz IV vermeiden und stressen sich mit mehreren Jobs, um über die Runden zu kommen. Häufig ist das Thema "Armut" besonders schambesetzt. Dies verhindert auch die Inanspruchnahme öffentlicher Hilfen. Letztlich wird dadurch die Teilhabe der Kinder am "normalen" Leben massiv erschwert.
Albert Meindl
Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung, Caritasverband für die Diözese Passau e.V.



Kinderarmut - Familie Vater zählt das letzte Geld in seinem Geldbeutelclipdealer

Kinderarmut diskriminiert
Kinderarmut ist immer ursächlich eine Armut der Eltern und betrifft alle Bereiche des Lebens: Gesundheit, Bildung, Ernährung. Das Einkommen reicht gerade, um die nötigsten Bedarfe in den Familien zu decken. Finanzielle Nöte bergen in den Familien oft ein hohes Konfliktpotential, von dem die Kinder betroffen sind. Nicht selten leiden diese auch an Mobbing oder Diskriminierung durch andere Kinder. Wir begleiten eine Familie, die neben dem Säugling zwei größere Söhne hat, die für ihr Leben gerne Fußball spielen. Aber für Fußballschuhe reicht das Geld nicht. Dieses Beispiel lässt sich auf fast alle gesellschaftlichen Unternehmungen übertragen.
Irene Kriegl
Caritas Schwangerschaftsberatung



100 Anträge für Hilfen
Kinderarmut nimmt zu. Im letzten Jahr haben wir für Familien mit Kindern aus Stadt und Landkreis Passau rund 100 Hilfsanträge an Sozialstiftungen gestellt. Die Probleme für die Kinder fallen meist auf, wenn Gelder für die Schule oder für Klassenfahrten aufgebracht werden müssen. Hier reichen die Leistungen aus dem staatlichen Teilhabepaket nicht aus. Diese Kinder müssen häufig auf vieles verzichten, wie Klassenfahrten oder Musikunterricht. Auch Nachhilfe ist ein Problem, da im Teilhabepaket die Nachhilfe nur übernommen wird, wenn die Versetzung gefährdet ist. Nachhilfe sollte aber schon früher einsetzen. 
Sabine Weiß
Allgemeine Sozialberatung beim Caritasverband für Stadt und Landkreis Passau e.V.