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Stand: 29.06.2017

Pressemitteilung

Wunschzettelzone 2017 angelaufen

Caritasdirektor Michael Endres und Konrad Niederländer, der Bischöfliche Beauftragte, stimmten die Zusammenarbeit ab. Sie übergaben über 5000 Euro für weitere Projekte in der Wunschzettelzone. Bischof Eugen Schönberger, Generalvikar Ferenc Hankovszky und Caritasdirektor Ladislau Lang, dankten für die treue Partnerschaft und die verlässliche Hilfe.

Beim Besuch in Satu Mare. Diakon Konrad Niederländer, Bischof Eugen Schönberger, Generalvikar Ferenc Hankovszky, und Caritasdirektor Michael Endres

Beim Besuch in Satu Mare. Diakon Konrad Niederländer, Bischof Eugen Schönberger, Generalvikar Ferenc Hankovszky, und Caritasdirektor Michael Endres.

Denn in Rumänien werden die Passauer Hilfsgüter nach wie vor dringend gebraucht. Die Region rund um Satu Mare gilt als Armenhaus Rumäniens. Es ist ein Kreislauf der Armut. Die Kinder wachsen in Armut auf, es fehlt nicht nur an Bildung sondern oft an täglichen warmen Mahlzeiten. Die Kindersterblichkeit ist die höchste in ganz Europa. Vor allem Roma-Familien sind betroffen. 350 Kinder versorgt die Caritas täglich in Zentren wie Ardud oder dem "Haus der Freundschaft" in der Stadt Satu Mare. "Kinder sind für uns der Schlüssel", sagt Caritasdirektor Lang. "Sie erhalten Essen, lernen Grundformen der Hygiene, lernen Lesen und Schreiben". Das tragen sie dann hinein in die Familien. So versucht die Caritas Schritt für Schritt für eine positive Entwicklung zu sorgen.

Ein wichtiger Baustein dafür ist die Hilfe aus der Passauer Wunschzettelzone. Bischof Eugen Schönberger unterstreicht dieses "geschwisterliche Miteinander in der Caritas, die tätige Liebe und Solidarität". Generalvikar Hankovszky ist ein unermüdlicher Antreiber, wenngleich auch er manchmal verzweifeln möchte. Die Lage der Menschen und auch der katholischen Kirche ist alle andere als rosig. Die Kirche muss klein anfangen, ist vielfach auf sich alleine gestellt. Staatliche Unterstützung kommt, wie er sagt, wenn überhaupt meist unzuverlässig. Der soziale Bereich und das Gesundheitssystem sind chronisch unterfinanziert. Dennoch lassen sich die beiden ihren Optimismus nicht nehmen. Im Vertrauen auf Gott haben sie für ihr Bistum einen pastoralen Prozess begonnen. Wie im Bistum Passau steht die Neuevangelisierung im Mittelpunkt.

Caritasdirektor Michael Endres und Diakon Konrad Niederländer konnten sich bei den Projektbesuchen davon überzeugen, dass die Hilfen direkt bei den Menschen ankommen. Die Passauer Vorstände unterstrichen bei den Gesprächen die Wichtigkeit der Partnerschaft, die auf Ebene der Caritas nach dem Fall des Eisernen Vorhanges intensiv begonnen hat, aber schon zurückreicht in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als von Passau aus große bundesweite Hilfstransporte nach Osteuropa starteten. Für Michael Endres ist die ungleiche Verteilung der Finanzen nach wie vor ein zentrales Problem. Der durchschnittliche Monatslohn von rund 200 Euro kann gar nicht reichen, wenn Lebensmittel im Grunde so viel kosten wie in Deutschland. Der Caritasdirektor sieht dahinter natürlich auch das Problem, dass deutsche Firmen etwa in Rumänien weder Preise noch Löhne entsprechend anpassen. Damit stellt er die Frage nach fairem Handel. Ein weiteres Problem: Fachkräfte wandern aus oder arbeiten saisonal auswärts, weil es im westlichen Europa einfach mehr Lohn gibt. Sie fehlen zuhause. Die Entwicklung stagniert. Für jene, die zurückbleiben vielfach eine Spirale nach unten. Auch für Konrad Niederländer ist klar, dass die Caritas in Satu Mare wohl auch künftig auf Hilfen angewiesen ist. Er will Kontakte über "Caritas International" intensivieren, um Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Dies aber auch vor dem Hintergrund, dass es natürlich immer noch Regionen oder Länder auf dieser Welt gibt, in denen Hunger oder Armut größer sind. Ob weltweit gesehen oder im Focus Satu Mare: Manchmal erscheint die Hilfe wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es gilt auch, was Bischof Schönberger sagt: "Das Meer besteht aus einzelnen Tropfen und als solche Tropfen kann man auch die Bestrebungen der Caritas in unserer Diözese bezeichnen".  Diese Arbeit lindert oft nicht nur "die schmerzliche menschliche Bedürftigkeit, sondern trägt bei zu einer authentisch christlichen Gemeinschaft und "aus vielen kleinen Dingen entsteht etwas Großes!".

So hat die Caritas Satu Mare allein im vergangenen Jahr insgesamt 4532 Personen bereut; schwerpunktmäßig in den Sozial- und Ausbildungsprogrammen für Kinder und Jugendliche, den Programmen für Personen mit Behinderung, den Programmen für Senioren sowie den Sozial- und Interventionsprogrammen. Dies ist auch durch die Hilfen aus der Passauer Caritas, des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und des Kirchlichen Jugendbüros Passau möglich geworden. Über die "Wunschzettelzone" konnten dank der treuen Spenderinnen und Spender viele Projekte finanziert werden. Dazu kommen Hilfen für das neue Reha-und Therapiezentrum "Seliger Janos Scheffler"

Hilfe direkt und konkret aus der Wunschzettelzone für das Reha-Zentrum

In der Einrichtung der Diözese und der Barmherzigen Schwestern in Satu Mare erhalten Kinder mit schwerer Behinderung Frühförderung oder ganz spezielle Therapien.

Intensive Therapie erhalten die kleinen Patienten

Intensive Therapie erhalten die kleinen Patienten.

230 kleine und junge Patienten - wenige Monate alt bis 17 Jahre - betreuen die Leiterin Brigitta Fazekas und ihr Team. Sie begleiten vielfach die ganze Familie. Alles rund um die Belegung managt die Ordensschwester Amathias Magdalena. Denn inzwischen können die Eltern ihre Kinder bei Therapiewochen begleiten. Das ist zum einen intensiver um anderen erspart es den Eltern stundenlange An- und Abreisen. Über ein weiteres Projekt denkt Auslandshilfe-Referent Mario Götz bereits nach; nämlich Paten für diese Therapie-Wochen zu finden. Aktuell freute sich der Generalvikar über 2350 Euro, für die jetzt die speziell und eigens vorgeschriebenen Therapiebögen für ein Jahr angeschafft werden können.

v.li. Diakon Konrad Niederländer, Generalvikar Ferenc Hankovszky, Leiterin Brigitta Fazekas, Caritasdirektor Michael Endres und Mario Götz von der Auslandshilfe der Caritas Passau.

von links: Diakon Konrad Niederländer, Generalvikar Ferenc Hankovszky, Leiterin Brigitta Fazekas, Caritasdirektor Michael Endres und Mario Götz von der Auslandshilfe der Caritas Passau.

Caritas-Projekte sind mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein

Menschlichkeit, Würde, eine helfende Hand, Zuhören, Solidarität. Das gilt für den rumänischen Caritasdirektor Lang. So werden über die Sozialküche von Satu Mare bedürftige Personen täglich mit warmer Mahlzeit und regelmäßig Lebensmittelpaketen versorgt. Im gleichen Gebäudebereich ist das Seniorentageszentrum Hl. Jakob. Inzwischen auch ein sozialer Brennpunkt. Viele der älteren Menschen drohen zu vereinsamen. Die Caritas steuert dagegen.

Für die 86jährige Rozalia Hideg (2.v.re.) sind die Stunden dort vielleicht sogar lebenswichtig. Die Leiterin Angela Kincses (re.) bittet auch künftig um Hilfe

Für die 86-jährige Rozalia Hideg (2.v.re.) sind die Stunden dort vielleicht sogar lebenswichtig. Die Leiterin Angela Kincses (re.) bittet auch künftig um Hilfe

Hilfe für die Sozialstation

Die Sozialstation, genannt Hauskrankenpflegezentrum Hl. Hildegard, in Satu Mare liegt nur wenige Meter gegenüber. Hier besprechen die Passauer Caritas-Leute mit Laszlo Borno-Zeisberger die aktuellen Probleme. Weite Strecken müssen die Mitarbeiterinnen jeden Tag fahren; in der Stadt und hinaus auf fünf Dörfer. Da braucht es einen einigermaßen intakten Fuhrpark. Drei Fahrzeuge konnten über die Wunschzettelzone mitfinanziert werden. Jetzt wäre eine Waschmaschine hilfreich; der Rost schreitet beim alten Gerät voran. Oder transportable Waschgelegenheiten für die Pflege in den Häusern. Insgesamt neun dieser Einrichtungen betreibt die Caritas. Rund tausend kranke, ältere, vielfach bettlägerige Menschen dürfen sich auch mit Passauer Hilfe damit gut versorgt und gepflegt wissen.

Das Sterilisationsgerät ist über die Wunschzettelzone finanziert, erläutert Laszlo Borno-Zeisberger von der Sozialstation

Das Sterilisationsgerät ist über die Wunschzettelzone finanziert, erläutert Laszlo Borno-Zeisberger von der Sozialstation.

Trommeln für die Wunschzettelzone

Riccardo haut richtig rein.

Einen Tusch auf die Wunschzettelzone trommelt Riccardo, begleitet von Mario Götz (re.) und assistiert von Caritasdirektor Lang

Einen Tusch auf die Wunschzettelzone trommelt Riccardo, begleitet von Mario Götz (re.) und assistiert von Caritasdirektor Lang

Der junge Schlagzeuger will zeigen, was er hier im "Haus der Freundschaft" gelernt hat. Mario Götz, erprobter Musiker, begleitet ihn, assistiert vom Caritasdirektor aus Satu Mare. Riccardo ist einer von rund 90 Kindern und Jugendlichen, die in das Sozialzentrum kommen. Es ist offen für junge Menschen, die hier meist nach der Schule und manchmal auch anstatt der Schule gemeinsam mit den Psychologen und Pädagogen den Nachmittag verbringen, oder in den Kindergarten gehen. Basics sind angesagt. Lesen und Schreiben lernen - auch mal mit Buchstaben aus Teig oder Stofftüchern - bei den einen, Waschen, Zähne putzen bei den anderen. Hygiene, Essen, Sport oder gar Musik in der Gemeinschaft. Für viele der Kinder ist das alles andere als selbstverständlich. Wanda Rainer und ihre Mitarbeiterinnen versuchen in ihrer Lehrküche auch ganz praktische Kenntnisse zu vermitteln. Heute wird Gemüse eingelegt. Die Kinder können die Produkte selbstverständlich mit nach Haus nehmen. Viel besser wäre es, wenn die Eltern durch die Kochkunst der Kinder angestachelt würden, das nachzumachen. Lernen für das Leben. Gerade für Roma-Familien wichtig, auch um aus der Lethargie zu kommen.

Soforthilfe mit Weihnachtstüten und Lebensmittelpaketen

Die Hilfe der Caritas kann ein langer Prozess sein. Aber manchmal ist sofortige Hilfe nötig. Das kann der "Kälteexpress" sein, der im Winter durch die Straßen fährt und Obdachlose versorgt, oder eben Hilfe am Strand von Satu Mare. Wer am Ufer des Somes Ferienidylle erwartet, täuscht sich gewaltig. Etwa 20 Roma-Familien hausen - ja das darf man so sagen - hausen dort. Finster, weil ohne Fenster und stickig, weil offene Feuerstellen in den beengten Räumen. Wasser, Strom Fehlanzeige. Hygiene praktisch unbekannt.

In Ruinen statt in Wohnungen leben Roma-Familien

In Ruinen statt in Wohnungen leben Roma-Familien

In Ruinen statt in Wohnungen leben Roma-Familien.

Spätestens jetzt weiß man, was die Kinder erleben, wenn sie vom Haus der Freundschaft hierher nach Hause kommen. Manchmal werden sie von Caritasmitarbeitenden wie Ottilia Vegh, Eva Hackl oder Szilard Nagy begleitet. Diese bringen im Laufe des ganzen Jahres immer wieder Lebensmittelpakete, Hygieneartikel und jetzt im beginnenden Winter warme Bekleidung und Bettdecken.

Gepackte Lebensmittelpakte mit Grundnahrungsmitteln

Die Caritasvorstände Konrad Niederländer und Michael Endres packen für die Wunschzettelzone mit den rumänischen Kollegen Ladislau Lang und Szilard Nagy Lebensmittelpakte mit Grundnahrungsmitteln 

Die Caritasvorstände Konrad Niederländer und Michael Endres packen für die Wunschzettelzone mit den rumänischen Kollegen Ladislau Lang und Szilard Nagy Lebensmittelpakte mit Grundnahrungsmitteln

Gemeinsam anpacken für Menschen in Not. Weihnachtstüten und Winterkleidung werden zur Roma-Siedlung am „Strand“ von Satu Mare gebracht. V.li. Mario Götz, Szilard Nagy, Ladislau Lang, Michael Endres, K

Gemeinsam anpacken für Menschen in Not. Weihnachtstüten und Winterkleidung werden zur Roma-Siedlung am "Strand" von Satu Mare gebracht. V.li. Mario Götz, Szilard Nagy, Ladislau Lang, Michael Endres, Konrad Niederländer und Andreas Münch.

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Vielleicht. Aber vielleicht auch die Möglichkeit, sich herauszuarbeiten. Die Kinder sind dann schon einen Schritt weiter. Es kann der nächsten Generation gelingen.

Um die Lebenssituation der Roma zu verbessern hat die Caritas längere Programme aufgelegt. Über 700 Personen wurden erreicht. Erwachsene nahmen an Alphabetisierungs- und Rumänisch-Kursen teil, einige fanden Arbeit. Die Gesundheitsberatung wurde angenommen. 52 schwangere Frauen wurden betreut, 90 Kinder wurden geimpft. 270 Personen haben die Möglichkeit wahrgenommen in den Zentren zu duschen und ihre Kleider zu waschen. Es mag langsam erscheinen. Schritt für Schritt eben, bestätigen die rumänischen Caritas-Kollegen. Aber es geht voran.

Für dieses Jahr ist jede Weihnachtstüte eine wichtige und willkommene Hilfe

Für dieses Jahr ist jede Weihnachtstüte eine wichtige und willkommene Hilfe.

Hilfe ganz konkret und not-wendend. Eine Weihnachtstüte der Caritas und Winterkleidung für die ganze Familie

Hilfe ganz konkret und not-wendend. Eine Weihnachtstüte der Caritas und Winterkleidung für die ganze Familie.

Die Menschen am Strand von Satu Mare haben sich bewusst nicht versteckt. Deswegen darf man bei ihnen stellvertretend vorbeischauen und umgekehrt stellvertretend für die vielen Partner aus dem Bistum Passau persönlich helfen.

Und Kleider sind immer gefragt

In Passau stapeln sich manchmal die Kisten mit gebrauchter Kleidung. Rund 800 Kilometer südöstlich auch. Was Ortscaritasvereine sammeln oder bei der Caritas am Steinweg abgegeben wird, kommt direkt in das Zentrallager in Satu Mare und wird dort noch einmal sortiert. Verteilt werden die Waren kostenlos über die Caritas-Stellen, ein weiterer Teil geht kostenlos an Kliniken, Kinderheime oder Gefängnisse. Ein Drittel wird im Warenladen verkauft. Der Erlös dient wieder direkt der Caritasarbeit.

Effizienz statt eines Fazits:

"Effizient helfen". Das gilt für die jahrelange Partnerschaft der Caritas, des BDKJ und des Kirchlichen Jugendbüros mit den Freunden in Rumänien.  Das gilt aber auch für ein weiteres Projekt, das die Passauer beim Besuch einlösten. Es ging um ein höchstaktuelles Thema, nicht nur von der Jahreszeit her, sondern auch mit Blick auf die Weltklimakonferenz in Bonn. Sparsam mit Energie umgehen, will heißen, sparsam heizen.

Michael Endres und Konrad Niederländer haben mit dem Auslandshilfereferenten Mario Götz weitere 2700 Euro an Caritasdirektor Lang von Satu Mare (im Bild zweiter von li.) übergeben

Ressourcen schonen. Deswegen haben die Caritasvorstände Michael Endres und Konrad Niederländer mit dem Auslandshilfereferenten Mario Götz weitere 2700 Euro an Caritasdirektor Lang von Satu Mare (im Bild zweiter von li.) übergeben. Damit sollen neue Thermostate für die Heizungen in Caritaseinrichtung angeschafft werden. Effizienz im besten Sinn des Wortes.