Ein Bogen von 25 Jahren: Bischof Dr. Stefan Oster (v.r.) mit Christine Heinrichs und Christl Eichinger, die von Anfang dabei waren sowie der aktuellen Koordinatorin Monika Wagner.Foto: can/wd
Die knapp 1000 Tafeln in Deutschland retten und verteilen jährlich rund 265.000 Tonnen Lebensmittel. Das entspricht etwa 271 Tonnen pro Tafel im Jahr. Rein statistisch gesehen ergibt dies rechnerisch für eine Stadt wie Passau mit einem zusätzlichen Einzugsgebiet rund 158 Tonnen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung (ca. 84 Millionen Menschen) darf man nach den Durchschnittswerten von Tafel Deutschland von etwa 3,15 kg Lebensmittel pro Einwohner und Woche ausgehen. Die 158 Tonnen auf 25 Jahre hochgerechnet ergeben fast 4000 Tonnen. Wieder die Statistik bemüht spricht man von 222 LKW-Ladungen. Hintereinander aufgereiht wären das rund 4 Kilometer. 25 Jahre Passauer Tafel wurden am Samstag, 31. Oktober, begangen. Denn feiern ist angesichts der Not der Menschen, um die es geht, weniger angebracht.
Beim 25jährigen Jubiläum der Caritas-Tafel Passau v.li.: Andreas Dittlmann, 2. Bürgermeister, Caritas-Abteilungsleiterin Ingrid Aldozo-Entholzner, Stefan Seiderer, Caritasvorstand, Bischof Dr. Stefan Oster, Peter Zilles, Tafel Deutschland, Ulrike Kammerer, Präsidentin Innerwheel, Monika Winkler, Koordinatorin der Tafel und Beate Heindl, Fachbereichsleiterin Ehrenamt. Foto: can/wd
Tafeln sind ein Gradmesser für steigende Armut
Beeindruckende Daten ergeben sich beim Zahlenspiel. Das ist aber nur die eine Ebene. Bei Tafeln geht es um Menschen in Not. Immer mehr Menschen erleben Existenzangst und wissen nicht mehr, wie sie Grundlegendes bezahlen sollen. Die Tafeln sind ein Gradmesser für die steigende Armut. So unterschiedlich die persönliche Situation auch sein mag - ob Familien am Existenzminimum, Alleinerziehende, ältere Menschen, Alleinstehende - viele können sich und ihre Kinder nicht selbst versorgen. Dann Hilfe annehmen zu müssen, ist für viele Menschen ein persönlicher Konkurs und alles andere als leicht.
Christine Heinrichs erzählt den Student:innen von Rotaract, wie die Tafelarbeit in Passau begannFoto: can/wd
In Passau werden zurzeit rund 700 Personen über die Tafel des Diözesan-Caritasverbandes mit Nahrungsmitteln versorgt. Die Kapazitäten wie Ressourcen sind derzeit praktisch aufgebraucht. Dann gibt es die dritte Ebene: den Einsatz der aktuell 85 Ehrenamtlich Tätigen. Sie sind mit großem Einsatz dabei. Sie organisieren, räumen verteilen. Und geben jeden Donnerstagnachmittag gegen eine Berechtigungsausweises die Waren aus. Doch sie hätten leere Hände, wenn da nicht in Ebene vier Zuliefer-Firmen oder die Spender:innen wären. Doch bei all diesem persönlichen solidarischen Engagement will angemerkt sein: es ist und bleibt primär Aufgabe des Staates dafür zur sorgen, dass Menschen ihr Auskommen haben. Dies darf nicht stillschweigend delegiert werden, weil Menschen sich sozial verantwortlich wissen.
Christine Heinrichs, eine Frau der ersten Stunde erkennt sich auf den Bildern vor 25 Jahren wiederFoto: can/wd
Bischof Oster: "Umsonst, aber niemals vergeblich"
Beim Gottesdienst betonte Bischof Dr. Stefan Oster diesen persönlichen Einsatz aller ehemaligen und jetzigen Ehrenamtlichen. Er dankte den Zulieferern und Unterstützern. Das Jubiläum war sozusagen ein großes Netzwerktreffen, für alle, denen Arbeit der Caritas-Tafel ein Anliegen ist. "Dienen um Jesu willen und im Notleidenden Jesus erkenne". Darum gehe es. So sei die Arbeit in der Tafel ein selbstloser Dienst, "gratis und umsonst, aber niemals vergeblich". Mit diesem Glaubenszeugnis verbinde sich die Feier der Sakramente mit dem Dienst der Caritas im Wirken der Kirche.
Sowohl Caritasvorstand und Bischöflich Beauftragter, Stefan Seiderer, als auch Andreas Dittlmann, 2. Bürgermeister, sowie Ulrike Kammerer, Präsidentin Innerwheel, und Ingrid Aldozo-Entholzner, Abteilungsleitung Caritas ; Pastoral, würdigten in ihren Grußworten die Arbeit der Tafel. Stefan Seiderer dankte für 25 Jahre gesellschaftlichen Engagements und Solidarität. Solange Lebensmittel verschwendet würden und Menschen hierzulande Not leiden, sei der Tafel-Dienst notwendig. Auch Andreas Dittlmann, war sich bewusst, dass dieser künftig notwendig sei. Peter Zilles, Vorstandsmitglied Tafel Bayern und Tafel Deutschland gab zu bedenken, dass solche Einrichtungen - rund 1000 in Deutschland - etwa aufgrund der steigenden Altersarmut "wichtiger denn je sind".
25 Jahre Passauer Tafel - Heute stehen 350 Haushalte auf der Warteliste
Monika Winkler, die Koordinatorin Passauer Tafel, gab einen Überblick mit Geschichten aus dem Tafel-Leben. Am 10. Oktober 2001 wurde die "Passauer Tafel" zusammen mit dem "Inner Wheel Club Passau" offiziell gegründet. Der Zulauf hat sich stetig gesteigert. Seit 2011 arbeitet die "Passauer Tafel" unter der Trägerschaft des Diözesan-Caritasverbandes. Reinhilde Keilbach, Gertrud Sebening oder Ute Senff sind mit Reinhold Url, damals Leiter der Abteilung Integration/Soziale Sicherung, Personen, deren Namen mit dieser wichtigen Caritas-Einrichtung verbunden bleiben. Es begann 2001 mit 25 Ehrenamtlichen, die für 140 Tafelkunden sorgten. In der ersten Caritas Jahresstatistik 2011 zählte die Tafel 213 Betreute und arbeitete mit einem Team von 56 Ehrenamtlichen. Heute sind 85 Helfer:innen tätig. Sie kümmern sich um 700 Tafelkunden, 200 davon sind Kinder. Und das ist das drängende Problem: 350 Haushalte stehen auf der Warteliste. Monika Winkler und Beate Heindl, die Fachbereichsleiterin Ehrenamt und Engagement dankten allen in der Tafel tätigen Personen und zeichnete Christine Heinrichs und Christl Eichinger besonders aus. Sie aus dem Ursprungsteam bis heute aktiv.
Hier ist die Tafel:Zu finden ist die "Passauer Tafel" im Caritas-Zentrum Konradinum nähe Bahnhof. Mitarbeiter:innen werden laufend gesucht, Warenspenden gerne angenommen und Spenden sind stets willkommen. Kto. bei der Sparkasse Passau: Caritasverband f. d. Diözese Passau e. V., IBAN: DE16 7405 0000 0000 0012 30; BIC: BYLADEM1PAS; Verwendungszweck: Konradinum/Passauer Tafel.
Wolfgang Duschl