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Es geht um Menschen - nicht um Verfahren. Mit diesem Blick hat Bischof Stefan Oster am 27. März 2026 das ANKER-Zentrum in Deggendorf besucht. Er wollte die Situation der Geflüchteten aus nächster Nähe sehen und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen: mit Geflüchteten ebenso wie mit Mitarbeitenden.
Begleitet wurde der Bischof unter anderem von Caritas-Vorstand Stefan Seiderer sowie dem niederbayerischen Regierungspräsidenten Rainer Haselbeck. Gemeinsam mit weiteren Verantwortlichen der Regierung von Niederbayern erläuterte dieser die organisatorischen Abläufe und Zuständigkeiten im ANKER-Zentrum.
Regierungspräsident Rainer Haselbeck betont: "Es ist für uns eine große Freude und auch eine Ehre, dass sich Bischof Oster die Zeit nimmt, die ANKER-Einrichtung hier in Deggendorf zu besuchen und sich persönlich ein Bild von der Arbeit zu machen. Migration ist eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft - umso wichtiger ist es, transparent zu machen, welche Arbeit hier geleistet wird. Dabei geht es immer darum, Ordnung und Humanität zusammenzubringen. Genau das ist unser Anspruch - und dank des großen Engagements der Mitarbeitenden gelingt das auch."
Der Rundgang führte durch zentrale Stationen der Erstaufnahme: vom ersten Kontakt mit Sicherheitsdienst und Registrierung über die Zimmervergabe bis hin zu Gemeinschaftsbereichen, Schulangeboten und der Kinderbetreuung. Auch die Kleiderkammer der Caritas war Teil des Besuchs. Sie wird gemeinschaftlich von der Caritas Deggendorf und dem Caritasverband für die Diözese Passau betrieben - ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit über diözesane Grenzen hinweg. Ebenfalls vorgestellt wurde die Asylsozialberatung vor Ort, in der Geflüchtete Unterstützung bei Fragen rund um das Asylverfahren, Behördenkontakte, schulische und berufliche Perspektiven sowie in persönlichen und gesundheitlichen Anliegen erhalten.
Deutlich wurde dabei, wie stark der Alltag im ANKER-Zentrum von klaren Strukturen geprägt ist. Die Menschen leben überwiegend in Mehrbettzimmern, sanitäre Anlagen werden gemeinsam genutzt. Familien können in der Regel zusammen untergebracht werden; teilweise stehen Kochmöglichkeiten zur Verfügung, ansonsten erfolgt die Verpflegung über eine zentrale Kantine. Vor Ort arbeiten verschiedene Behörden und Dienste eng zusammen - von der Ausländerbehörde über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bis hin zu medizinischen Angeboten und dem Sozialamt.
Einblick vor Ort: Bischof Stefan Oster besucht das ANKER-Zentrum in Deggendorf und kommt mit Geflüchteten sowie Mitarbeitenden ins Gespräch.caritas/mr
Bischof Stefan Oster sagt: "Ich wollte mir vor Ort ein eigenes Bild machen - nicht abstrakt über Migration sprechen, sondern sehen, wie die Situation für die Menschen konkret ist. Viele kommen nach oft belastenden Erfahrungen hier an. Umso wichtiger ist es, dass sie nicht nur verwaltet werden, sondern Orientierung, Begleitung und menschliche Zuwendung erfahren. Für uns als Kirche ist entscheidend: Jeder Mensch hat eine unverlierbare Würde - unabhängig von Herkunft, Status oder Perspektive. Gerade mit Blick auf Ostern wird deutlich: Gott ist dort gegenwärtig, wo Menschen Leid, Unsicherheit und Enge erfahren - und er lässt sie nicht allein."
Viele Geflüchtete kommen nach langen und belastenden Fluchtwegen an - oft ohne Sprachkenntnisse und mit vielen offenen Fragen. Hier setzt die Arbeit der Caritas an. Die Flüchtlings- und Integrationsberatung unterstützt die Menschen dabei, sich im neuen Umfeld zurechtzufinden und Perspektiven zu entwickeln.
Im Mittelpunkt stehen dabei konkrete Themen: Fragen zum Asylverfahren, Unterstützung im Kontakt mit Behörden, Hilfe bei Schul- und Ausbildungsfragen, medizinische Anliegen oder die Suche nach Angehörigen. Auch Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf werden begleitet. Ehrenamtliche leisten dabei einen wichtigen Beitrag und werden durch die Caritas koordiniert und begleitet.
Neben Registrierung und Unterbringung geht es im Alltag auch um Orientierung, Stabilisierung und konkrete Unterstützung - genau hier liegt der Auftrag der Caritas.
Caritas-Vorstand Stefan Seiderer beschreibt die Aufgabe so: "Im ANKER-Zentrum treffen komplexe Verfahren und persönliche Lebenssituationen unmittelbar aufeinander. Unsere Aufgabe als Caritas ist es, die Menschen in dieser Phase zu begleiten, ihnen Orientierung zu geben und sie bei ganz konkreten Fragen zu unterstützen - vom Asylverfahren bis in den Alltag hinein."
Für den Bischof ist der Besuch Ausdruck eines grundsätzlichen Anspruchs: Migration betrifft nicht nur politische Debatten, sondern konkrete Menschen und ihre Lebensgeschichten. Orte wie das ANKER-Zentrum machen diese Realität sichtbar - und fordern dazu heraus, Verantwortung zu übernehmen. (ex)
Hintergrund: ANKER-Zentren in Bayern
ANKER-Zentren ("Ankunft, Entscheidung, Rückführung") bündeln staatliche Verfahren und Unterbringung an zentralen Standorten. In Bayern bestehen derzeit sieben große Einrichtungen, unter anderem in Deggendorf, Regensburg, Augsburg, Zirndorf, Bamberg und Geldersheim/Niederwerrn.
Das ANKER-Zentrum in Deggendorf ist aus einer früheren Erstaufnahmeeinrichtung hervorgegangen und Teil eines Systems, in dem Aufnahme, Unterbringung und Verfahrensschritte eng verzahnt sind. Geflüchtete werden von dort aus im weiteren Verlauf auch auf Kommunen verteilt - darunter auch Orte innerhalb der Diözese Passau. Die Caritas begleitet diesen Prozess durch Beratung und konkrete Hilfsangebote.