Ehrung der Gründungsmitglieder: Pfarrer Wolfgang Hann (l.), Caritas-Diözesanvorstand Stefan Seiderer (4. v. l.) sowie Agnes Stefenelli (Fachbereichsleiterin Gemeindecaritas, v. r.) und Ortsvorsitzende Berta Kloiber freuen sich mit den anwesenden Gründungsmitgliedern, die geehrt wurden: Ludwig Höllmüller (vorne v. l.), Johanna Krinninger, Fritz Fenzl, Alfons Raab sowie (hinten v. l.) Willi Stockinger, Helmut Rührl, Helga Raab und Roselies Schopper.Foto/BO/kri
Der Dienst am Nächsten ist ein zentrales Prinzip des Christentums. Im Pfarrverband Breitenberg-Sonnen macht der Caritasverein dieses Prinzip seit 50 Jahren sichtbar und erlebbar. Mit zahlreichen Ehrengästen feierte der Verband am vergangenen Samstag im gut gefüllten Pfarrheim Breitenberg dieses besondere Jubiläum. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Ehrung der Gründungsmitglieder.
Am 2. Februar 1976 legten 44 engagierte Frauen und Männer den Grundstein für den heutigen Pfarrcaritasverein. Es war eine Zeit des Aufbruchs in der "Neuen Welt", wie Altbürgermeister Helmut Rührl - der auch die Jubiläumschronik erstellte - in seiner Festrede betonte. Die Gebiets- und Schulreform waren abgeschlossen, Josef Ascher war zum Bürgermeister der neuen "Großgemeinde" Breitenberg gewählt worden, und Hieronymus Haydn übernahm im November 1972 die Pfarrei. Zeichen des Aufbruchs waren ein enormer Bauboom und der Wunsch nach einem eigenen Kindergarten. Der Neubau wurde am 4. Oktober 1976 eingeweiht. Der neu gegründete Ortscaritasverein - unter dem ersten Vorsitzenden Hans Morhard - sah zunächst in der Förderung des Kindergartens seine Hauptaufgabe. Daneben unterstützte der Verein die Sozialstation Hauzenberg, Erdbebenopfer, Brandgeschädigte und bedürftige Pfarrangehörige. Auch bei der Integration der ersten Asylbewerber, die im sogenannten Hermannhaus untergebracht waren, leistete der Verein Hilfe.
Nachfolger von Morhard als Vorsitzende waren Willi Stockinger jun., Ludwig Höllmüller und schließlich ab 2007 Dieter Süßmann-Wudy, den Rührl als "Glücksfall" bezeichnete: "15 Jahre lang kümmerte er sich mit größtem Engagement und Verantwortungsgefühl um die Belange des Vereins und die Menschen in der Pfarrei." Ein weiterer Meilenstein war 2010 die Gründung des gemeinsamen Caritasvereins der Pfarreien Breitenberg und Sonnen, den seit März 2024 Berta Kloiber als Vorsitzende leitet. Heute unterstützt der Ortsverband die Kindergärten, Eltern-Kind-Gruppen und Seniorenclubs in beiden Kommunen sowie die Tafel Hauzenberg, die Tagesbetreuung Wotzdorf, den Caritas-Frühförderdienst und die Stiftung Kinderlächeln. "Wir alle dürfen stolz auf diesen Verein sein", schloss Rührl seine Ausführungen.
Stefan Seiderer, bischöflicher Beauftragter und Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes, ergänzte: "50 Jahre Pfarrcaritas - das sind 50 Jahre gelebte Nächstenliebe, 50 Jahre wacher Blick vor Ort und 50 Jahre engagierte Menschen, die nicht weggeschaut, sondern zugepackt haben." Mit inzwischen 95 Mitgliedern habe die Caritas in diesem Pfarrverband ein tragendes Netz der Solidarität aufgebaut. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen wachsen, Einsamkeit zunimmt und demokratische Strukturen infrage gestellt werden, sei die Caritas als verbindendes Element kostbarer denn je, so Seiderer. "Die Pfarrcaritas Breitenberg-Sonnen ist konkrete Kirche vor Ort." Sein Dank galt allen Ehrenamtlichen, ohne deren Einsatz es keine lebendige Caritas gäbe.
Für Pfarrer Wolfgang Hann verkörpert die Caritas eine Kirche, die nicht nur redet, sondern handelt. Jesus selbst habe dafür das Maß vorgegeben: "Was ihr für einen meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40). Auch Hann nutzte das Jubiläum für einen Blick nach vorne: "Die Herausforderungen unserer Zeit sind groß: Vereinsamung, Armut, Krankheit, Unsicherheit und Überforderung vieler Familien. Gerade deshalb bleibt die Caritas unverzichtbar." Er hoffe, dass die Caritas auch künftig viele Menschen und Einrichtungen unterstützen könne, damit das christliche Prinzip der Nächstenliebe als gelebte Wirklichkeit erkennbar bleibe.
Ein finanzieller Beitrag für die Arbeit des Ortsverbandes wurde von Breitenbergs Bürgermeister Adolf Barth an die Vorsitzende Berta Kloiber übergeben. Er würdigte den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz und betonte, dass die Caritas durch das Zusammengehen von Breitenberg und Sonnen noch schlagkräftiger geworden sei. Damit sprach er wohl auch dem Bürgermeister von Sonnen, Klaus Weidinger, und Neureichenaus Bürgermeisterin Kristina Urmann aus dem Herzen, die ebenfalls zur Feier erschienen waren. Kloiber begrüßte zudem Agnes Stefenelli, Fachbereichsleiterin Gemeindecaritas und Grundsatzfragen im Diözesanverband. Kloibers großer Dank galt allen engagierten Frauen und Männern, die den Grundstein für die heutige Pfarrcaritas gelegt haben: "Aus ihrem Mut und sozialen Engagement ist in über fünf Jahrzehnten ein lebendiges Wirken gewachsen." Bis heute könnten Menschen in Notlagen daraus Hoffnung schöpfen. Besonders erinnerte sie an den langjährigen Breitenberger Pfarrer Hieronymus Haydn, der die Caritas von Anfang an gefördert und mitgetragen habe. Als besonders wertvoll bezeichnete sie die gute Vernetzung mit den Fachstellen des Caritasverbandes.
Mit der Ehrung der anwesenden Gründungsmitglieder endete eine stimmungsvolle Feier. Berta Kloiber sprach die Hoffnung aus, dass es gelingen werde, auch nachkommende Generationen für das Ehrenamt in der Caritas zu gewinnen, "damit Solidarität und Nächstenliebe weiterhin das Fundament unserer Gesellschaft bleiben".
Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Trio "Harmonie" - Monika Weiß, Margit Seibold und Michaela Rogozinski. Der Refrain ihres Schlussliedes brachte das Selbstverständnis des Pfarrcaritasvereins Breitenberg-Sonnen treffend zum Ausdruck: "Ein Licht, das brennen und leuchten soll für dich."
Text: Wolfgang Krinninger