Caritas. Der große Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche. Was unterscheidet die denn von anderen Hilfsorganisationen? Pflegen sie mit dem Rosenkranz in der Hand? Oder beten sie lieber statt die Bettpfanne zu leeren? Rund um Fragen des Glaubens und der persönlichen Spiritualität gibt es beim Diözesan-Caritasverband die Stabsstelle "Theologie und Seelsorge". Im Interview erklärt der Diplomtheologe Andreas Kindermann warum Theologie im Alltag der Caritas-Einrichtungen eine Rolle spielt.
Ist Theologie überhaupt etwas für die Caritas und muss man gleich eine Stabsstelle Theologie und Seelsorge" einrichten?
Andreas Kindermann: Uneingeschränkt JA! In den Caritas-Einrichtungen wird tagtäglich "Theologie" gelebt. Menschen leben im Arbeitsalltag "Jesus-Haltungen", Mitarbeitende setzen sich mit ethischen Fragen auseinander, Anvertraute kommen in Grenzsituationen und dürfen vielleicht ein Stück Himmel erleben. Alle diese Haltungen und Erfahrungen sollen in der Stabsstelle "Theologie und Seelsorge" gesammelt, gebündelt und beschrieben werden. Mit einer Theologie der Caritas haben wir durchaus der Gesellschaft etwas zu sagen.
Es geht dann ja auch um die persönliche Seelsorge bei rund 4500 Mitarbeiter:innen.
Andreas Kindermann: Das ist die andere Seite der Medaille. Seelsorge für Mitarbeitende und für die Menschen in den Einrichtungen. Begleitung in schwierigen Zeiten, Teamtage, Krisenintervention, Trauergespräche aber auch spirituelle Angebote, die wird in unserer "Atempause" (Anm. der Red.: Heft mit allen Terminen) zusammengefasst haben, kennzeichnen diese Arbeit.
Heute ist immer mehr von "Orten der Kirche" die Rede.
Andreas Kindermann: Orte der Caritas sind kirchliche Orte. Kinder, Schülerinnen und Schüler, Betreute, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Kolleginnen und Kollegen erleben hier die Werte und Inhalte des Evangeliums, angepasst an ihre jeweilige Lebenssituation. Die Caritas spricht die Sprache der Menschen. Ihre Mitarbeitenden gehen mit Menschen durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens, sie empfangen das Kleinkind in der Krippe, sie feiern den schulischen und beruflichen Erfolg bei Heranwachsenden, stehen mit Rat und Beratung bereit und sitzen am Sterbebett im Pflegeheim.
Da ist Kirche ja wirklich gefragt und präsent
Andreas Kindermann: Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt es so: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände." (Gaudium et spes, Nr. 1) In diesem Sinne ist die Caritas tatsächlich ein starkes Stück Kirche.
Wo sind Sie denn innerhalb der Caritas momentan verortet?
Andreas Kindermann: Aktuell arbeite ich mit dem Vorstand und dem Fachbereich Gemeindecaritas an der Vorbereitung eines Pastoralen Konzepts. Zusammen mit den Führungskräften und den Menschen in den Einrichtungen wollen wir Qualitätsstandards suchen, was die seelsorgliche und spirituelle Begleitung betrifft. Dabei sollen auch gewisse Leerstellen gefunden werden: Wo brauchen Mitarbeitende Hilfe und Rat? Wie kann man seelsorglich präsent sein? Mit welchen Kooperationspartnern kann dies verwirklicht werden?
Und dazu kommen Ihre Angebote, die "Atempausen". Gibt es überhaupt noch Plätze?
Andreas Kindermann: Also wir machen uns gemeinsam auf den Weg bei Exerzitien, Wallfahrten, Oasentagen. Da denken wir nach über Gott und die Welt und uns selbst. Wir beten und singen zusammen. Wir pflegen sozusagen den Draht zur Ewigkeit und lassen uns von Gott berühren. Und ja. Der Sommer 2026 lädt ein, für ein paar Tage die Arbeit ruhen zu lassen und zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Einrichtungen gemeinsame Tage zu verbringen. Wir sind gut gebucht. Es gibt noch Restplätze für Exerzitien Ende Juni, die Rucksack-Wanderung nach Altötting Anfang Juli und für die Rad-Wallfahrt Ende Juli und für die Kloster-Tage Ende Oktober.
Das Gespräch führte Wolfgang Duschl
Hier finden Sie die Angebote
Pressemitteilung
Dem Himmel ein Stück näher – Exerzitien und spirituelle Auszeiten mit der Caritas Passau
Erschienen am:
08.04.2026
Herausgeber:
Caritasverband für die Diözese Passau e. V.
Steinweg 8
94032 Passau
Steinweg 8
94032 Passau
Beschreibung