Local Heroes, stille Helden, Gut-Menschen oder Rückgrat der Gesellschaft und Kitt zwischen den Generationen. Wie auch immer man die Menschen, die sich ehrenamt-lich engagieren, nennen mag. Es geht immer dasselbe: Da packen Nachbarn mitei-nander an, stehen füreinander ein. Sind da, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Ihr Einsatz ist kostenlos aber alles andere als umsonst. Die Caritas lebt von solchen Menschen. Und es gibt sie von A wie Altötting bis Z wie Zwiesel. Zu hunderten, tau-senden. Sie machen die Caritas zu einer starken Kraft im Bistum Passau.
Beim Ehrenamtstreffen im Caritas Seniorenheim St. Josef in Hauzenberg: v.l. Clau-dia Zwicklbauer, Sepp Kinateder, Helga Hödl, Luise Raab, Christine Dicklhuber, Jo-hann Ranzinger, Cornelia Wagner, Annemarie Gruber, Tina Sabo, Helga Plankl, Maril-le Rosenberger und Heimleiter Franz Sicklingercan/Seniorenheim St. Josef
"Ehrenamt schafft Menschlichkeit und Lebensqualität". Unter diesem Motto hatte das Caritas Seniorenheim St. Josef in Hauzenberg vor kurzem zum Ehrenamtstreffen eingeladen. Derzeit leisten 20 Personen ehrenamtliche Dienste in St. Josef. Sie ge-hen mit betagten manchmal dementen Menschen spazieren, hören ihnen zu, ma-chen Besorgungen. Kleine Dienste mit großer Wirkung. Entlastend auch für die An-gehörigen. Diese Zwanzig sind Teil einer großen Ehrenamtsgemeinschaft. Im Gebiet der Diözese gibt es in 87 Orts- und Pfarr-Caritasvereinen 10546 Mitglieder. 500 Akti-ve arbeiten in den Vorständen. Über 500 Frauen und Männer machen sich zweimal im Jahr auf den Weg und bitten an der Haustür um Spenden.
Dolmetscherdienste oder Reparatur-Café
Das Engagement reicht von persönlichen Einzelfallhilfen über finanzielle Unterstüt-zungsleistungen sowie soziale Aktionen und Projekte bis hin zur Trägerschaft von Tafeln, Kleiderkammern und Kindertagesstätten. Besuchs- oder Dolmetscherdienste, Lese- oder Lernpaten, Altenclubs. Aber genauso basteln sie und reparieren für Elekt-ronik-Geräte, Computer, Fahrräder oder Textilien. So im Reparatur-Café der Caritas in Altötting. Jeden letzten Samstag im Monat stehen die Experten kostenlos von 09:00 bis 13:00 Uhr zur Verfügung. Das Ehrenamt in der Caritas ist so vielschichtig wie das Leben der Menschen.
Reparieren, helfen und Spaß haben. Das Repair-Cafe der Pfarrcaritas in Altötting wird gut angekommen. Es ist ein Ort des persönlichen Austausches geworden. Foto: can/PCV Altötting
80.000 Stunden: Unentgeltlich aber keinesfalls umsonst
Das Ehrenamt ist und bleibt hoch aktuell. Denn diese freiwillige Tätigkeit bedeutet, sich konkret für notleidende, wohnungslose oder arbeitslose Menschen, für Men-schen mit Behinderung,
für Asylbewerber und Flüchtlinge oder für ältere Menschen einzusetzen. Insgesamt etwa 3.000 Caritas-Ehrenamtliche leisten 80.000 Stunden unbezahlte Arbeit. Würde man das mit dem Mindestlohn vergüten, wären allein das rund 712.000 Euro im Jahr. Solcher Zahlenspiegel sagt aber noch nichts aus über den tatsächlichen persönlichen Einsatz. Dieser ist unentgeltlich aber keinesfalls umsonst, letztlich unbezahlbar und nur mit einem "Herzlichen Vergelt’s Gott".
Ein freundliches Lächeln als Dank
Und immer wieder betonen diese Frauen und Männer, wie viel sie selbst gewinnen, zurückbekommen; Wertschätzung, erfüllte Zeit, auch Dankbarkeit. Das ist durchgän-gig in allen Altersgruppen. So beim Team des Frühstückstreffs der Pfarrcaritas Vilsh-ofen: "Wir finden hier eine sinnstiftende Freizeitbeschäftigung. Es ist ein schönes und unkompliziertes Miteinander, in dem einer den anderen achtet und jeder seine Talen-te einbringen kann. Besonders schön ist es aber für uns, wenn der Dank der Leute durch ein freundliches Lächeln sichtbar wird. Es ist für uns eine Freude, etwas für andere Menschen zu tun."
36 Personen sind im Bundesfreiwilligendienst aktiv
Dazu kommen noch die Kräfte im Bundesfreiwilligendienst. Im Jahrgang 2025/26 sind bei 36 Personen Menschen im BFD im Einsatz und werden von der Caritas be-gleitet. Dazu gehören auch internationale Freiwillige und ein 27plus Freiwilliger mit 63 Jahren. Die Mehrzahl ist zwischen 16 bis 30 Jahre alt. Sie leisten ihren Dienst in 22 verschiedenen Einsatzstellen: in Caritas-Einrichtungen wie Kitas, Werkstätten für Menschen mit Handicap, Förderzentren für Jugendliche mit Behinderung; aber auch im Kolping Berufsbildungszentrum in Regen, oder im Ministrantenreferat. Und die Nachfrage steigt.
Diese Freiwilligen aller Generationen füllen die Caritas-Dienste in den unterschied-lichsten Einrichtungen mit Leben - bundesweit sind das bei der Caritas rund 35.000 Freiwillige. Ihr Engagement stärkt den sozialen Zusammenhalt, fördert Krisenresili-enz und demokratisches Bewusstsein, ist Ausdruck von Verantwortung und gelebter Solidarität. Wir brauchen eine lebendige Kultur freiwilligen Engagements, um für Kri-sensituationen - von der Hitzewelle über die Pandemie bis zum Hochwasser - mit einer Kultur zupackender Mitmenschlichkeit gerüstet zu sein.
Dafür braucht die Caritas eine verlässliche Stärkung des freiwilligen Engagements. Die vielfältig guten Erfahrungen in den zurückliegenden Jahren und das Wissen um die spürbaren strukturellen und finanziellen Begrenzungen der Freiwilligendienste müssen beim Bundesgesellschaftsdienstgesetz beachtet werden, das vom Bundes-familienministerium für diesen Sommer angekündigt ist.
Ob BufDi oder Ehrenamt’ler: Sie leisten mit ihrem Einsatz für Menschen in heraus-fordernden Lebenslagen einen wesentlichen Beitrag für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft. Über solches Engagement ist die Caritas in Zukunft eine wichtige Repräsentantin der biblischen Botschaft und der Kirche.
Text: Wolfgang Duschl