
Liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie einen eigenen Garten oder Balkon mit Obst, Gemüse oder Blumen? Dann kennen Sie bestimmt das Problem - man gibt sich Mühe und kaum dreht man sich um, wuchert da etwas, das man da gar nicht haben möchte. Unsere erste Reaktion oftmals - raus damit! Sofort ausreißen!
Aber hin und wieder passiert es dann. Beim ausreißen erwischt man nicht nur das Unkraut.
Bei meinen Erdbeeren ist es mir heuer auch so ergangen - fieserweise ganz nah an der Erdbeerpflanze wächst da noch etwas. Beim rausreißen des sogenannten Unkrauts hatte ich die Erdbeerpflanze mit in der Hand.
Das Evangelium dieses Sonntags ist nicht vom Gärtner Pötschke oder der LfL Ruhstorf - auch wenn es um Weizenkorn und Unkraut geht.
Jesus bedient sich oft der einfachen Sprache und nimmt Alltagssituationen. Im Evangelium dieses Sonntags erzählt er uns das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizenkorn.
Jesus handelt aber anders als wir vermuten - er sagt: Lasst beides wachsen bis zur Ernte- damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Was auf den ersten Blick irritierend wirkt ist viel tiefsinniger. Was hat das mit unserem Leben und unserem Glauben zu tun?
Das Leben von uns Menschen verläuft nicht schwarz-weiß. In den Beziehungen untereinander gibt es Reibungen, Probleme, Konflikte. Es können Probleme auf uns zukommen, von denen wir nichts geahnt haben. Auch in unserem Leben wachsen im übertragenen Sinn nicht nur Früchte, sondern es wuchert so manches Unkraut.
In solchen Lebenssituationen ist es gut, dass es Menschen gibt - die uns versuchen aufzufangen und uns einen Lichtblick verschaffen. Seien es Familie, Freunde - oder wo es nötig ist auch die fachliche Unterstützung von Beratungsstellen und Diensten der Caritas.
Wenn wir nur noch das Dunkel in unserem Leben sehen tut jeder Lichtstrahl gut.
Ich persönlich finde es daher sehr tröstlich, dass uns unser Gott, der es gut mit uns meint - egal was in unserem Leben passiert, bis zum Schluss die Chance gibt und nicht vorschnell handelt, sondern immer an uns glaubt. Dieser Gott möchte, dass unser Leben gelingt. Er möchte uns Halt geben, damit wir wachsen können. Wir dürfen aus Fehlern lernen.
So wünsche ich Ihnen in diesen Sommertagen viel Freude mit allem was auf Ihrem Balkon und in Ihrem Garten wächst und gedeiht und den Halt des guten Gottes!
Christian Schacherbauer
Gemeindecaritas