v. l.: PD Dr. Simon Hofstetter, Prof. Dr. Björn Görder, Prof. Dr. Michael Wittland, Prof. Dr. Bernhard Bleyer, Prof. Dr. Christian Oelschlägel, Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa, Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch, Diakon Damian Ostermann, Prof. Dr. Anika Albert.caritas/mr
Vom 19. bis 21. März kamen Vertreterinnen und Vertreter des WissenschaftsNetzwerks Caritas und des Netzwerks Diakoniewissenschaft aus Deutschland und dem europäischen Ausland zu einem Treffen in Bielefeld zusammen. Im Mittelpunkt stand die Leitfrage "Wer sind wir eigentlich?" - und damit das Selbstverständnis der Disziplinen zwischen wissenschaftlicher Reflexion und konkreter Praxis.
Zum Auftakt betonten Prof. Dr. Anika Albert (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Bernhard Bleyer (Universität Passau) und Prof. Dr. Björn Görder (EH Ludwigsburg) die Notwendigkeit einer klaren Standortbestimmung. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Caritas und Diakonie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen theologischer Reflexion, sozial- wie gesundheitswissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung - genau darin liegt die besondere Stärke.
Auch die verbandliche Perspektive war prominent vertreten: Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, und Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, formulierten Erwartungen an die Wissenschaft. Tragfähige Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen entstehen, so der Tenor, nur im engen Zusammenspiel von Forschung und Praxis.
Der internationale Charakter des Treffens prägte die Diskussionen. Beiträge aus Österreich (Dr. Rainald Tippow, Caritas der Erzdiözese Wien), aus Norwegen (Prof. Dr. Annette Leis-Peters, VID Specialized University Oslo) sowie Gäste aus dem Vereinigten Königreich erweiterten den Blick über den deutschsprachigen Raum hinaus. Perspektiven aus der Schweiz und ein genauerer Blick nach Skandinavien zeigten die Vielfalt diakonischer und caritativer Ansätze in Europa - ebenso wie gemeinsame Herausforderungen. Ergänzt wurde diese europäische Perspektive durch globale Impulse: Prof. Dr. Dennis Solon (Universität Bielefeld, Philippinen) und Dr. Tioria Sihombing (Indonesien) gestalteten gemeinsam einen Workshop und erweiterten den Blick auf internationale Entwicklungen und Herausforderungen diakonischer Arbeit.
In weiteren Workshops wurden zentrale Fragestellungen vertieft: das Verhältnis von Theologie und Sozialer Arbeit, empirische Zugänge in der Diakoniewissenschaft sowie internationale Perspektiven. Beiträge von Prof. Dr. Regina Fritz (Evangelische Hochschule Nürnberg), Prof. Dr. Klaus Baumann (Universität Freiburg), Prof. Dr. Andrea Tafferner (Katholische Hochschule NRW) und Dr. Megan Arndt (Universität Heidelberg) unterstrichen die fachliche Breite.
Das gemeinsame Abendessen bot Raum für inhaltliche Impulse: Kurzvorträge von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin) sowie Prof. Dr. Christian Oelschlägel und Prof. Dr. Michael Wittland (IDWM, Universität Bielefeld) griffen zentrale Fragen der Tagung auf und führten die Diskussionen in informeller Atmosphäre weiter.
Einen besonderen Akzent setzte Bischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck), indem sie die Verbindung von Wissenschaft und kirchlicher Praxis aufzeigte. Sie fragte nach den Impulsen, die die Kirche heute aus der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Caritas und Diakonie benötigt - und unterstrich deren Bedeutung für die Weiterentwicklung kirchlicher, sozialer und gesundheitsbezogener Arbeit.
Praxisnah wurde es bei Einblicken in Einrichtungen von Bethel: angefangen bei der Wohnungslosenhilfe über die psychiatrische Versorgung bis hin zu historischen Sammlungen. Hier zeigte sich konkret, wie wissenschaftliche Erkenntnisse vor Ort wirksam werden.
Das Netzwerktreffen machte deutlich: die wissenschaftlichen Kreise zu Caritas und Diakonie sind längst europäisch vernetzt. Ihre Stärke liegt im Zusammenspiel von Forschung, Praxis und internationalem Austausch - und genau darin liegt ihre Zukunft.