Die Universität Passau und der Caritasverband für die Diözese Passau werden den Betrieb des Waldkindergartens der Universität zum 31. August einstellen. Grund hierfür sind veränderte Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung, die zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Kindergartenplätzen geführt haben. Die Grundidee des Projekts soll jedoch erhalten bleiben: Die bestehenden Strukturen werden künftig in einen neuen Lernort für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf dem Campus der Universität überführt.
Der Waldkindergarten der Universität Passau wurde mit dem Ziel gegründet, ein innovatives und naturnahes Betreuungsangebot für Kinder zu schaffen und die Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf weiter zu verbessern. Gemeinsam mit der Caritas als erfahrenem Partner entstand ein pädagogisch hochwertiges Konzept, das bei Familien, Unterstützerinnen und Unterstützern sowie zahlreichen Spenderinnen und Spendern auf große Zustimmung stieß. Mit seinem Ansatz setzte der Waldkindergarten bewusst auf Lernen mit und in der Natur. Kinder sollten die Möglichkeit erhalten, Zusammenhänge unmittelbar in der Natur zu erleben und so Verantwortung für ihre Umwelt zu entwickeln. Gleichzeitig fügte sich das Projekt in die Nachhaltigkeitsstrategie der Universität ein.
Die Idee zur Gründung des Waldkindergartens entstand im Herbst 2020 in einer Zeit, in der die Betreuungssituation in Passau angespannt war. Lange Wartelisten und eine hohe Nachfrage nach Kindergartenplätzen machten zusätzliche Betreuungsangebote erforderlich. Vor diesem Hintergrund war die Einrichtung ein sinnvoller Schritt. Aufgrund notwendiger Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse verzögerte sich die Eröffnung jedoch deutlich. In der Zwischenzeit veränderten sich die Rahmenbedingungen schneller als ursprünglich absehbar. Durch den Ausbau der Betreuungskapazitäten - rund 400 neue Plätze laut Stadt Passau innerhalb der letzten Jahre - stehen heute mehr Kindergartenplätze zur Verfügung als benötigt werden. Die Entwicklung der Anmeldezahlen für den Waldkindergarten verlief daher deutlich verhaltener als erwartet. Aktuell werden lediglich vier der insgesamt 20 verfügbaren Betreuungsplätze genutzt. Die geringe Auslastung ist auch aus pädagogischer Sicht als kritisch zu bewerten, da der Austausch in größeren Gruppen für die Kinder wichtig ist.
Vor diesem Hintergrund haben die Universität Passau und die Caritas die Situation gemeinsam eingehend geprüft. Deutlich wurde hierbei, dass ein dauerhafter Betrieb des Waldkindergartens unter den veränderten Voraussetzungen nicht mehr verantwortungsvoll darstellbar ist. "Wir bedauern die Schließung des Waldkindergartens sehr. Gleichzeitig verstehen wir sie als notwendige Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen. Unser Ziel bleibt es, die wertvollen Ansätze des Projekts zu bewahren und in neuer Form für Kinder, Familien und die Region nutzbar zu machen", erklärt Prof. Dr. Jan Hendrik Schumann, Präsident der Universität Passau. Die derzeit im Waldkindergarten betreuten Kinder können zeitnah in anderen Einrichtungen der Caritas weiterbetreut werden.
Die Entscheidung fiel allen Beteiligten äußerst schwer, zumal das Projekt auf große Sympathie in Universität und Stadtgesellschaft gestoßen und mit viel Unterstützung innerhalb und außerhalb von Universität und Caritas entstanden ist. Umso wichtiger ist es den Trägern, die ursprüngliche Idee weiterzuführen. Die im Rahmen des Projekts geschaffenen Strukturen und Angebote sollen daher künftig am Campus der Universität in neuer Form fortbestehen. Geplant ist die Entwicklung eines Lernortes für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und transformatives Lernen. Dieser soll die zentralen Gedanken des Waldkindergartens aufgreifen. Auf einer zentralen Grünfläche des Campus soll somit ein naturnaher Lern- und Begegnungsort als Bildungsraum entstehen, an dem Kinder, junge Menschen, Studierende sowie Bürgerinnen und Bürger Nachhaltigkeit unmittelbar erleben können.
"Mit dem neuen Lernort schaffen wir einen Raum, in dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene Nachhaltigkeit nicht nur kennenlernen, sondern aktiv erfahren und mitgestalten können. Bildung für nachhaltige Entwicklung lebt von solchen offenen Lernumgebungen, die Menschen dazu befähigen, Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten", sagt Prof. Dr. Andreas Eberth, Co-Sprecher der Kollegialen Leitung des Zentrums für Lehrkräftebildung und Fachdidaktik sowie Koordinator des Forschungsprojekts "TraUBa - Transformation universitärer Bildungsräume". Der aus Spendengeldern finanzierte Bauwagen und das Tipi-Zelt werden dabei als zentrale Elemente erhalten bleiben und künftig für BNE-Angebote, Workshops und außerschulische Lernformate genutzt werden. Themen wie Biodiversität, Klimaschutz, Ernährung, Wasser oder Naturkreisläufe sollen dort praxisnah und altersgerecht erarbeitet werden. Die pädagogischen Grundgedanken des Waldkindergartens werden damit aufgegriffen und in einem erweiterten Kontext fortgeführt. Gleichzeitig stärkt der neue Lernort die Öffnung der Universität zur Stadtgesellschaft und schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu Wissenschaft und Nachhaltigkeit. Schulen, Familien sowie weitere Bildungseinrichtungen sollen den Ort künftig als außerschulischen Lernort nutzen können. Darüber hinaus eröffnet der Lernort Möglichkeiten für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Universität und Stadtgesellschaft.
"Der Waldkindergarten war für uns Ausdruck des gemeinsamen Anspruchs von Universität und Caritas, neue Wege in der Kinderbetreuung zu gehen. Auch wenn der Waldkindergarten als Einrichtung endet, bestehen zentrale Ideen des Ansatzes auf diese Weise fort. Die Stadtgesellschaft kann sich also auf ein neues Angebot freuen, das den Campus noch stärker als Ort der Begegnung, Bildung und Familienfreundlichkeit in die Stadt hinein öffnet", erläutert Präsident Schumann. Mit dem neuen Ansatz bleibt jedoch nicht nur die Grundidee erhalten, letztlich wird das Angebot somit auch für einen größeren Kreis von Kindern, Familien und Bildungseinrichtungen nutzbar gemacht. Auf diese Weise möchten Universität und Caritas dem großen Engagement aller Beteiligten sowie dem Vertrauen der zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer auch langfristig gerecht werden. Zudem arbeiten Caritas und Universität auch in Zukunft auf starker Vertrauensbasis weiter zusammen, damit alle Kinder von Universitätsangehörigen einen Platz in der Kinderbetreuung erhalten.