Glücksspielsucht kann Menschen finanziell, beruflich, gesundheitlich und sozial schwer belasten. Pixabay / Mountaindweller
Glücksspielsucht kann Existenzen zerstören - finanziell, beruflich, gesundheitlich und sozial. Die Fachstelle für Glücksspielsucht der Caritas Passau bietet Betroffenen und Angehörigen niedrigschwellige, vertrauliche und spezialisierte Hilfe.
Ein Leben hinter heruntergelassenen Rollläden
Als Sebastian (*Name durch die Redaktion geändert) im Jahr 2024 erstmals zur Beratung in die Fachstelle für Glücksspielsucht kam, war seine Situation existenziell belastend. Der damals 34-Jährige litt unter starken Ängsten und lebte zunehmend zurückgezogen in seiner Wohnung im Landkreis Passau - hinter heruntergelassenen Rollläden, isoliert vom Alltag. Durch Online-Glücksspiel hatten sich hohe Schulden angehäuft. Sebastian befand sich bereits in der Privatinsolvenz. Trotzdem gelang es ihm nicht, mit dem Glücksspiel aufzuhören. Er machte weitere Schulden, obwohl ihm dadurch im laufenden Insolvenzverfahren schwerwiegende rechtliche Folgen drohten.
Der Druck wurde immer größer. Immer wieder versuchte Sebastian, durch erneutes Online-Glücksspiel seine finanziellen Probleme zu lösen - und geriet dadurch noch tiefer in die Krise. Um seine Ängste auszuhalten und überhaupt schlafen zu können, begann er, Medikamente zu missbrauchen. Auch beruflich hatte die Suchterkrankung Folgen: Der Industriekaufmann verlor aufgrund seiner belastenden Situation seinen Arbeitsplatz.
Der Weg zurück in Stabilität
Im Mai 2026 kam Sebastian erneut in die Beratungsstelle. Diesmal mit einer ganz anderen Perspektive. Seit gut eineinhalb Jahren ist er spielfrei. Er hat keine neuen Schulden mehr gemacht, ist weg von den Medikamenten, treibt regelmäßig Sport und hat gelernt, besser mit seinen Ängsten umzugehen. In seiner neuen Arbeit fühlt er sich wohl. Trotzdem nimmt er weiter Beratungstermine wahr. Die vertraute Atmosphäre gebe ihm Sicherheit, sagt er. Sebastian steht beispielhaft für Menschen, die durch eine frühzeitige, verlässliche und fachlich qualifizierte Beratung wieder Stabilität gewinnen können.
Beratung, Prävention und Aufklärung seit 2008
Seit 2008 finanziert der Freistaat Bayern 22 Fachstellen für Glücksspielsucht. Auch die Fachstelle in Passau wird über die Landesstelle Glücksspielsucht gefördert. Seit Bestehen der Fachstelle konnten in Passau rund 650 Betroffene und Angehörige beraten und begleitet werden. Hinzu kommt eine breite Präventions- und Aufklärungsarbeit: durch Multiplikatorenschulungen, Präventionsveranstaltungen in Ausbildungseinrichtungen, Beiträge zur betrieblichen Gesundheitsfürsorge, Netzwerktreffen und weitere Formate. Schätzungsweise 1.500 Menschen wurden dadurch in den vergangenen Jahren erreicht.
Verhaltenssüchte nehmen zu
In den vergangenen zurückliegenden Jahren ist die Zahl der Menschen mit Verhaltenssüchten deutlich gestiegen. Neben Glücksspiel geht es zunehmend auch um problematischen Medienkonsum, Kaufverhalten, Sexualität und weitere Abhängigkeitsformen. Für Betroffene und Angehörige ist es deshalb wichtig, frühzeitig Unterstützung zu finden.
Suchterkrankungen sind im Rahmen einer Richtlinientherapie, etwa Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, behandelbar. In der Praxis finden Betroffene jedoch häufig keinen zeitnahen Platz bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Gerade deshalb sind viele Menschen im ambulanten Bereich auf die niedrigschwelligen und spezialisierten Angebote der Beratungsstellen angewiesen.
Niedrigschwellige Hilfe bleibt wichtig
Die Fachstelle für Glücksspielsucht der Caritas Passau bietet Beratung, Begleitung und Orientierung - vertraulich, fachlich fundiert und nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen. Für Betroffene wie Sebastian kann diese Unterstützung ein entscheidender Schritt zurück in ein stabiles Leben sein.
Einmal im Jahr, jeweils am letzten Mittwoch im September, findet der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht statt. Die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern und zahlreiche Fachstellen machen an diesem Tag auf die Risiken von Glücksspielproblemen aufmerksam, informieren über Hilfsangebote und setzen ein Zeichen für Aufklärung, frühzeitige Hilfe und einen verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspielen.