
Mein Mann schenkt mir jedes Jahr einen Adventskalender. Mal einen mit Türchen, mal einen aus 24 Säckchen oder 24 Tütchen. Auf jeden Fall einen, der mich etwas öffnen und finden lässt. Öffnen und finden - zwei wesentliche Elemente im Advent. Sich öffnen für den, der entgegenkommt und in dieser Begegnung Ungeahntes, Beglückendes, Heilsames finden.
Für das Ritual des Öffnens nehme ich mir frühmorgens immer genug Zeit. Meistens verknüpfe ich es mit einer stillen Betrachtung oder einem Gebet. Ich bitte dabei um die Gabe, selbst immer offener zu werden. Ein offenes Ohr, um zuzuhören, offene Augen, um wahrzunehmen, offene Hände, um zu geben, offene Sinne, um wachsam zu sein. Gerade meine innere Pforte, meine Herzenstür, möchte ich offenhalten: für die echte, tiefe Begegnung mit den Menschen und mit Gott.
Ich freue mich auf den Moment, an Weihnachten dem Kind in der Krippe zu begegnen. Da glaube ich: Gott kommt bei mir an, als Mensch. Er bringt alles, was ich ersehne: Friede, Heil, Gerechtigkeit, Rettung, Freiheit. Damit er bei mir ankommen kann, muss ich meine innere Pforte weit aufmachen. Durch sie wird er hereintreten und mich spüren lassen, dass ich nie wieder verlassen oder orientierungslos bin.
Das Versprechen, aus Orientierungslosigkeit und Verlassenheit gerettet zu sein, gibt Gott uns allen, indem er sein Kommen am Ende aller Zeiten ankündigt. Wann genau er kommt, ist ungewiss. Fest steht, dass es plötzlich und unerwartet sein wird. Mitten im Alltag dürfen wir mit Jesus rechnen. Daran lassen die biblischen Texte, die an diesem Wochenende gelesen werden, keinen Zweifel. "Seid also wachsam!" (Mt 24), mahnen sie. "Passt auf, dass ihr euch weder durch ein ausschweifendes Leben und Trunkenheit noch durch die Sorgen des Alltags vom Ziel ablenken lasst!" (Lk 21,34)
Wachsam sein heißt wach sein, einen wachen, ungetrübten, angstfreien Blick für die Wirklichkeit zu haben. Sonst blockieren wir uns für unsere Begegnungen. Der Apostel Paulus ermutigt uns: "Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf." (Röm 13). Von wegen ruhig und besinnlich. Es geht darum, das Leben nicht zu verschlafen und nicht über sich selbst einzuschlafen. Sondern wach zu sein für die Begegnungen, die uns geschenkt sind. Machen wir uns bewusst, dass wir in den Begegnungen mit unseren Nächsten Gott selbst begegnen. Jetzt schon.
Susanne Stimmer, Gemeindecaritas im Landkreis Altötting