Wie geht es Ihnen damit - ist es nicht immer ein großer Sprung von der Geburt Jesu im Stall zu Betlehem vor wenigen Tagen hin zur Taufe des Herrn, die wir an diesem Sonntag feiern? Und damit das liturgische Ende der Weihnachtszeit.
Vom Kind zum erwachsenen Mann, der nun am Beginn seines Wirkens am Ufer des Jordan steht, um sich von Johannes taufen zu lassen. Für mich ist es schon jedes Jahr neu eine gedankliche Herausforderung. Gleichzeitig merke ich aber auch, wie wichtig es ist, nicht einfach nur bei dem niedlichen Baby in der Krippe stehenzubleiben.
Von den ersten 30 Jahren des Lebens Jesu gibt es nicht viel zu berichten. Dies beginnt erst damit, dass er sich in den Dienst Gottes stellt.
Wenn wir heute die Taufe Jesu feiern, so zielt dieses Fest nicht nur darauf ab, dass wir in Jesus den geoffenbarten Sohn Gottes erkennen. Es ist zugleich die Einladung, wie er in den Jordan einzusteigen. Auch Jesus, der Mensch gewordene Gott, reiht sich am Jordan ein unter alle anderen Menschen, unter jene, die auf die Bußpredigt des Johannes hin in der Taufe ein Zeichen der Umkehr und des Neuanfangs setzen wollen. Jesus stellt sich in eine Reihe mit Menschen, die ihre Schwächen und Fehler haben. Jesus stellt sich in eine Reihe mit Menschen, die für ihr Leben einen tieferen Sinn suchen.

Im heutigen Evangelium heißt es zum Abschluss, dass der Heilige Geist auf Jesus herabkam und eine Stimme aus dem Himmel sprach: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden". Diesen Satz dürfen wir auch auf uns beziehen, weil wir auch Kinder Gottes sind. In der Taufe empfangen wir den Geist, der uns zu Kindern Gottes macht.
Du bist mein geliebter Sohn, Du bist meine geliebte Tochter, egal was auch immer in Deinem Leben geschehen mag. Was für eine Zusage!
Wie Jesus so sollen auch wir immer wieder der Frage nachgehen, welchen tieferen Sinn unser Leben hat.
Jesu Wirken hat nicht mehr viel zu tun mit einem niedlichen kleinen Kind.
Jesus hat sich eingesetzt für Schwächere, ist an den Rand der Gesellschaft gegangen, war unbequem. Jesus war sehr caritativ unterwegs. Er hat sozusagen Weihnachten in die Tat umgesetzt, so wie es in einem Liedtext heißt:
"Wenn das Lied der Engel wieder verstummt ist,
wenn die Sterne am Himmel verschwunden sind,
wenn die Könige und Fürsten nach Hause zurückgekehrt
und die Hirten wieder bei den Herden sind,
dann beginnt die Arbeit von Weihnachten:
Die zu finden, die verloren gegangen sind,
zu heilen, deren Herz zerbrochen ist.
Die Hungrigen zu speisen, die Unterdrückten zu befreien,
allen Völkern den Frieden zu bringen,
und ein wenig Musik zu machen in unserem Herzen."
Ich wünsche uns allen, dass Weihnachten in diesem Sinne noch nachwirkt und es nicht so ist, dass wir das kleine Jesuskind in unseren Krippen in diesen Tagen wieder wegräumen und ein knappes Jahr damit nichts zu tun haben möchten.
Text: Christian Schacherbauer - Mitarbeiter in der Gemeindecaritas