Caritasvorstand Stefan Seiderer (l.), Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes (M.), und Diözesan-Caritasdirektorin Andrea Anderlik (r.) haben die Jahreskampagne 2026 im Januar in Passau unter dem Motto „Zusammen geht was – Caritas verbindet Generationen“ gestartet. Unter diesem Slogan steht auch die Herbstsammlung.caritas/mr
Manchmal geht es schnell. Eine Krankheit. Ein Unfall. Eine Diagnose, mit der keiner gerechnet hat. Und manchmal kommt die Not schleichend. Eine Familie merkt, dass sie an ihre Grenzen kommt. Ein Kind braucht mehr Unterstützung als gedacht. Ein älterer Mensch ist viel allein. Erst einen Nachmittag. Dann mehrere. Irgendwann wird aus Ruhe Einsamkeit.
"In solchen Momenten kann es sich anfühlen, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen", sagt Diözesan-Caritasdirektorin Andrea Anderlik. Dann braucht es jemanden. Einen Menschen, der zuhört. Der weiß, wo es Hilfe gibt. Der vielleicht einfach erst einmal da ist. "Du musst da nicht allein durch" - darum gehe es bei Caritas, sagt Anderlik.
Am 27. September ist Caritas-Sonntag. Tags darauf beginnt die Herbstsammlung, die bis zum 4. Oktober dauert. In vielen Pfarreien gehen Sammlerinnen und Sammler von Haus zu Haus, andernorts werden Spendenbriefe verteilt. Das Motto in diesem Jahr heißt: "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen."
Das klingt zunächst nach Jahreskampagne. Im Alltag sieht es ziemlich konkret aus. Da trifft ein junger Freiwilligendienstleistender auf eine hochbetagte Seniorin. Erzieherinnen begleiten Kinder. Ehrenamtliche unterstützen Familien. Bei youngcaritas erklären junge Leute älteren Menschen das Smartphone. Nicht immer lernt dabei nur der Ältere vom Jüngeren.
Auch Bischof Stefan Oster greift diesen Gedanken in seinem Aufruf zum Caritas-Sonntag auf. Zukunft entstehe dort, wo Generationen miteinander unterwegs seien und Verantwortung füreinander übernähmen. Erfahrungen der Älteren und die Sicht der Jüngeren müssten zusammenkommen. Für Andrea Anderlik gehört dazu noch etwas anderes: Menschen überhaupt erst zusammenzubringen. Begegnung möglich zu machen. Türen offenzuhalten, auch für diejenigen, die sich zurückgezogen haben oder den Anschluss verlieren. Gerade Einsamkeit sei längst keine Frage des Alters mehr.
Caritas heißt deshalb nicht nur: Da ist jemand, wenn es brennt. Es geht auch darum, dass es möglichst gar nicht erst so weit kommt. Um Beratung. Um Begleitung. Um Menschen, die merken, wenn jemand Hilfe braucht. Vieles davon kostet Geld, ohne dass es vollständig finanziert wird.
60 Prozent der Spenden aus der Herbstsammlung gehen an den Diözesan-Caritasverband. Damit werden unter anderem Beratungsangebote und andere Hilfen unterstützt, die staatlich nicht oder nur zum Teil finanziert sind. 40 Prozent bleiben in den Pfarreien. Und dort wird es oft sehr unmittelbar. Dann geht es nicht um große Programme, sondern vielleicht um eine Rechnung, die jemand nicht bezahlen kann. Um eine Familie, bei der es gerade vorne und hinten nicht reicht. Um Hilfe für einen Menschen aus dem eigenen Ort. Vor der eigenen Kirchentür.
Anderlik sagt, manchmal brauche es gar nicht viel: "ein offenes Ohr, ein bisschen Zeit, eine helfende Hand." Vielleicht ist das der Kern des diesjährigen Mottos.
Zusammen geht was. Aber eben nur, wenn einer anfängt.